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Hilfe! Bin ich schwanger? – Ich bin schwanger!

  1. Wege zur Entscheidung
  2. Die rechtliche Situation in Österreich
  3. Wer darf einen Schwangerschaftsabbruch durchführen?
  4. Methoden des Schwangerschaftsabbruchs
  5. Gefühle danach: traurig und befreit zugleich..
  6. Verantwortung übernehmen: Verhütung und Notfallverhütung
  7. Deine Sexualität – Deine Rechte


1. Wege zur Entscheidung

Ein positiver Schwangerschaftstest nach dem bangen Warten auf die Regel ist für viele Mädchen/Frauen meist ein großer Schock und löst beängstigende Gedanken und Gefühle aus.
In dieser Situation gibt es viele, die sich berufen fühlen Ratschläge zu geben – gefragt oder ungefragt,hilfreich oder nicht. Wichtig ist, mit allen Fragen, Sorgen und Ängsten nicht allein zu sein.
Hilfreich ist meist, wenn Du ein oder zwei wirklich nahe stehende Vertraute in den Verlauf Deines Entscheidungsprozesses mit einbeziehen kannst. Je weniger Druck Du von „außen“ erfährst, desto
besser kannst Du Deine persönliche Entscheidung fällen.

Um mehr Klarheit für Dich selbst zu bekommen kannst Du versuchen voraus zu denken:
Kannst und möchtest Du zum jetzigen Zeitpunkt Mutter werden? Als Mutter bist Du nicht mehr nur für Dich selbst, sondern auch für Dein Kind verantwortlich. Du musst dies bei all Deinen Entscheidungen mit bedenken. Ein Kind zu haben kann eine große Bereicherung sein. Aber natürlich braucht die Entwicklung und Versorgung eines Kindes viel Zeit und Energie. Vielleicht wirst Du Dich fragen, ob Du das mit Deinen schulischen oder beruflichen Plänen vereinbaren kannst, und
ob Du Dich der Mutterrolle gewachsen fühlst.

Es ist wichtig, dass Du Dir eine Vorstellung davon machst, wie Deine unmittelbare Zukunft mit Kind aussehen könnte und welche Unterstützung Du bekommen kannst. Wie und wo kannst Du mit einem Kind wohnen? Wer kann das Kind betreuen, wenn Du zur Schule oder in die Arbeit gehen
musst? Und wie kann das alles finanziert werden?
All diese Fragen müssen bedacht werden. So schön die Beziehung zu einem eigenen Kind auch sein mag - es ist wichtig, sich die Aufgaben und Verantwortungen einer Mutterrolle zu verdeutlichen.

Um eine gute Entscheidung zu treffen, kann ein Gespräch in einer psychologischen Beratungsstelle oder einem Frauengesundheitszentrum unterstützend sein. Wie auch immer Du Dich entscheidest:
die BeraterInnen stehen Dir während und nach einer Schwangerschaft oder bei einem Abbruch zur Seite.


Foto: Gynmed Ambulanz Salzburg
Letztendlich bleibt es jedoch Deine eigenverantwortliche Entscheidung!
Siehst du keine Möglichkeit, die Schwangerschaft fortzusetzen, ist ein Schwangerschaftsabbruch der Ausweg.


2. Die rechtliche Situation in Österreich

In Österreich gilt die so genannte Fristenlösung, die besagt, dass ein Schwangerschaftsabbruch straffrei ist, wenn er innerhalb einer gewissen Frist, der ersten drei Monate nach Beginn der Schwangerschaft vorgenommen wird. Der Beginn der Schwangerschaft ist im Gesetz mit der
abgeschlossenen Einnistung der befruchteten Eizelle definiert, welche etwa 3 Wochen nach dem ersten Tag der letzten Regel stattfindet. Somit ist ein Abbruch in Österreich bis zur 16. Schwangerschaftswoche,
d.h. gerechnet ab dem 1. Tag der letzten Regel straffrei.

Die meisten ÄrztInnen in Österreich führen Abbrüche jedoch nur bis zur 12. Schwangerschaftswoche durch. Laut Gesetz darf ein Mädchen ab dem 14. Lebensjahr selbst über einen Abbruch der Schwangerschaft entscheiden, ohne dabei die Eltern oder Erziehungsberechtigten mit einbeziehen zu müssen, sofern es einsichts- und urteilsfähig ist. Die Kosten für einen Abbruch müssen in Österreich selbst bezahlt werden, außer es gibt einen medizinischen Grund für den Abbruch.
Eine Auflistung der Kosten in den verschiedenen Institutionen findest Du auf der Homepage:
www.abtreibung.at


3. Wer darf einen Schwangerschaftsabbruch durchführen?

Eine Abtreibung darf nur von einem Arzt/einer Ärztin durchgeführt werden und nach vorhergehender Beratung über den medizinischen Eingriff. Die Beratung ist anonym, kostenlos und vertraulich.
Du kann dich im Verlauf dieses Gesprächs auch noch anders entscheiden und die Schwangerschaft behalten.

4. Methoden des Schwangerschaftsabbruchs

Es gibt verschiedene Möglichkeiten des Schwangerschaftsabbruchs, die in Krankenanstalten, Ambulatorien und Kliniken vorgenommen werden. Die Methoden sind unterschiedlich – es gibt keine „bessere“ oder „schlechtere“ – nachdem Du Dich über die Methoden informiert hast, kannst du selbst entscheiden, welchen Eingriff du wählen möchtest.

a) Der chirurgische Schwangerschaftsabbruch (Saugcurettage)
Dieser Eingriff wird zumeist ab der 6. Schwangerschaftswoche nach einer gynäkologischen Untersuchung mit Ultraschall durchgeführt und dauert nur wenige Minuten. Meist unter Vollnarkose
oder auch unter örtlicher Betäubung des Muttermundes wird der Muttermund leicht aufgedehnt.
Mit einem Plastikröhrchen (Curette) werden Schwangerschaftsgewebe und Schleimhaut aus der Gebärmutter abgesaugt.
Foto: Gynmed Ambulanz Salzburg
Der Eingriff wird in den meisten Spitälern oder Ambulatorien ambulant durchgeführt, d.h. du musst mit ca. 4 Stunden Aufenthalt rechnen und kannst danach nach Hause gehen.

b) Der medikamentöse Schwangerschaftsabbruch mit Mifegyne®:

Diese Methode des Schwangerschaftsabbruchs wird in den meisten Einrichtungen, die Abbrüche durchführen, bis zur vollendeten 7. Schwangerschaftswoche (gerechnet ab dem 1. Tag der letzten Regel!) angeboten, im Gynmed Ambulatorium in Wien auch bis zur 9. Schwangerschaftswoche.
Der medikamentöse Abbruch kann schon sehr früh in der Schwangerschaft angewendet werden, z.B. auch wenn noch keine Schwangerschaft im Ultraschall sichtbar ist! Dies erleichtert oft die psychische Verarbeitung.


Foto: www.muvs.org


Foto: www.gynmed.at

Nach einer gynäkologischen Untersuchung und einem Beratungsgespräch nimmt das Mädchen bzw. die Frau drei Tabletten Mifegyne® ein (= Abbruch) und zwei Tage später zwei weitere Tabletten (Prostaglandin) ein. Eine Entscheidungsänderung nach der ersten Medikamenteneinnahme
ist nicht mehr möglich. Nach Einnahme der zweiten Medikamente setzt eine stärkere Blutung ein und der Fruchtsack wird ausgeschieden. Du siehst in diesem Stadium keinen Embryo, sondern ein kleines weißes kugelförmiges Gebilde. Damit Du keine falschen Fantasien entwickelst, schau Dir das Foto oben an. Unter Umständen können Bauchschmerzen auftreten, ähnlich wie bei einer starken Regelblutung. Du bekommst ein Schmerzmittel mit nach Hause.

Weitere Informationen über den medikamentösen Schwangerschaftsabbruch findest Du auf:
www.gynmed.at
www.mifegyne.at
www.abtreibung.at

Medizinische Komplikationen sind bei allen Eingriffen sehr selten. Auch ist eine spätere erneute Schwangerschaft problemlos möglich. Es kann sein, dass Du in den Tagen nach dem Abbruch leichte Bauchschmerzen hast, die ähnlich wie Schmerzen während der Periode sind. Diese Beschwerden sind nach drei bis vier Tagen aber meistens überstanden.
5. Gefühle danach: traurig und befreit zugleich..

Für viele Mädchen/Frauen wird die Zeit bis zum Abbruch belastender erlebt, als der Eingriff selbst oder die Zeit danach. Das so genannte „Post Abortion Syndrom“ ist eine Erfindung der AbtreibungsgegnerInnen,
um bei Mädchen/Frauen noch mehr Schuldgefühle zu erzeugen.

In der Praxis zeigt sich, dass nur wenige Mädchen/Frauen nach einem Schwangerschaftsabbruch anhaltende psychische Probleme haben, sofern sie:

  • vorher gut informiert wurden
  • die Entscheidung selbst bestimmt getroffen haben
  • in einer angenehmen Atmosphäre optimal medizinisch und menschlich betreut wurden
  • eine wohlwollende, soziale Akzeptanz ihrer Entscheidung in ihrem persönlichen Umfeld vorhanden ist

Wie schon vor der Entscheidung können auch nach dem Abbruch widersprüchliche Gefühle auftreten - Ungewissheit, ob die Entscheidung richtig war, Traurigkeit, Erleichterung, Schuldgefühle etc. Egal, wie viel Zeit vergangen ist – es besteht jederzeit die Möglichkeit, eine Beratungsstelle aufzusuchen, um das Gefühlschaos und die ganz persönlichen Erfahrungen verstehen und verarbeiten zu können.
Zeitweise Phasen der Traurigkeit sind Teil eines normalen Verarbeitungsprozesses, wie in jeder anderen Krisensituation auch und ft empfinden Mädchen/Frauen nach einem Schwangerschaftsabbruch
auch eine große Erleichterung und Befreiung.


6. Verantwortung übernehmen: Verhütung und Notfallverhütung

Du bist ungewollt schwanger geworden, d.h. Du bist (zumindest mit diesem Partner)fruchtbar und kannst auch nach dem Schwangerschaftsabbruch sofort wieder schwanger werden.
Übernimm Verantwortung und starte gleich am Tag des Abbruchs oder am darauf folgenden Tag mit einem sicheren Verhütungsmittel (z.B. Pille, Verhütungsring, Verhütungspflaster..;)
Unter www.verhuetung.info findest Du alle in Österreich erhältlichen Verhütungsmittel.
Für ein
persönliches Gespräch stehen Dir Beratungsstellen, First Love Ambulanzen, niedergelassene FachärztInnen oder Frauengesundheitszentren zu Verfügung.
Falls es in der Hitze der Nacht dann doch zu einer weiteren Verhütungspanne kommen sollte, beschaffe Dir so rasch wie möglich eine Packung „Pille danach“ (Vikela® oder Postinor®)
Die "Pille danach" (Notfallverhütung) bietet die Möglichkeit, eine ungewollte Schwangerschaft maximal 72 Stunden nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr zu verhindern, z.B. wenn ein Kondom geplatzt ist, etc.
Die Wirksamkeit der „Pille danach“ beträgt bei Einnahme 12 Stunden nach dem Verhütungsfehler ca. 90 %, 48 – 72 Stunden danach nur mehr ca. 60 %. Darum ist es wichtig, schnell zu handeln.
Die Wirkungsweise liegt in der Verzögerung oder Unterdrückung des Eisprungs.
Wenn Du nach der Einnahme der „Pille danach“ im gleichen Zyklus nochmals Geschlechtsverkehr hast, musst Du oder Dein Partner unbedingt verhüten (z.B. mit einem Kondom), weil Du sonst wieder schwanger werden kannst.
Wenn die Regel zum erwarteten Zeitpunkt nicht einsetzt, dann solltest Du umgehend einen Schwangerschaftstest machen, weil die Wahrscheinlichkeit hoch ist, trotz „Pille danach“ schwanger zu sein, wenn Du kurz vor oder während des Eisprunges ungeschützten Sex hattest.
Erhältlich ist die "Pille danach" in jeder Apotheke. Ein Rezept bekommst Du bei deinem Hausarzt/deiner Hausärztin, einem Frauenarzt/ einer Frauenärztin oder am Wochenende in Spitälern mit einer gynäkologischen Abteilung.

Die Kosten in der Apotheke liegen bei ca. € 13.-

7. Deine Sexualität – Deine Rechte

Zum Schluss noch ein paar Informationen für Dich. Über Deine Sexualität und Deine Rechte!
Sexualität gehört zum Leben aller Menschen, egal wie alt sie sind. Im Zusammenhang mit Sexualität gibt es Rechte, die für alle gelten. Diese Rechte sollen Dich und Deine Sexualität schützen und Dir Sicherheit geben und Du wiederum kannst diese Rechte schützen, in dem Du sie bei anderen respektierst:
Als Mädchen hast Du das Recht auf selbstbestimmte Sexualität. Dazu gehören:

  1. das Recht Sexualität zu leben
  2. das Recht, über Verhütungsmittel informiert zu werden und sie zu nützen
  3. das Recht vor sexueller Gewalt geschützt zu werden
  4. das Recht vertraulich beraten und medizinisch behandelt zu werden
  5. Rechte im Fall einer ungewollten Schwangerschaft
  6. das Recht vor Krankheit geschützt zu werden
  7. das Recht zu heiraten oder nicht zu heiraten

Autorin:
Mag. Petra Schweiger (Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin)
Frauengesundheitszentrum ISIS und Gynmed Ambulanz / Salzburg
www.frauengesundheitszentrum.isis.at

Lies weiter unter:

Schwangerschaft Hilfsangebote

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