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Me & Bob Woodward - Zwei Tage Journalistin beim „Standard“

Anna - bei MonA-Net unter dem Nick Galadriel bekannt und eine unserer aktivsten Monas, hat zwei Tage lang "Pressearbeit" beim Schülerstandard geleistet. Wie es ihr dort ergangen ist ....

Dienstag, 5. Juli 2005, 7:30 Uhr: Verschlafen werfe ich meinem laut piepsendem Wecker tödliche Basiliken-Blicke zu. Es hilft nichts: Ich muss zu dieser, vor allem in den Ferien geradezu grausamen Uhrzeit aus dem Bett, wenn ich um 9 Uhr im Palais Trauttmansdorf im 1. Wiener Gemeindebezirk sein will.

Was ich dort tue? Ich bin zwei Tage lang „junge Journalistin“ im Rahmen eines gleichnamigen Ferienseminars bei der Tageszeitung „Standard“. Schon im April habe ich im „SchülerStandard“ (jeden Dienstag gehört eine Seite der jugendlichen „SchülerStandard“-Redaktion) die Ankündigung dafür gelesen.
Ich wollte so etwas schon immer machen, denn vielleicht will ich später mal Journalistin werden. In einer stylishen Redaktion arbeiten, reißende Schlagzeilen verfassen und das Volk dann besonnen und klug über die Geschehnisse in der großen weiten Welt aufklären, vielleicht auch Skandale aufdecken (wie wär’s mit „Pratergate“? Und ein Rücktritt Schüssels... naja, bleiben wir unpolitisch) – wäre das nicht etwas für mich?

9 Uhr: Bettina Reicher, die Leiterin des Seminars und des „SchülerStandards“, begrüßt uns 13 „junge Journalisten“ herzlich, drückt uns eine hübsche „Standard“-Mappe in die Hand (Aufschrift: „Der Klügere liest nach“), die zwei Folder mit den Tagesabläufen und journalistischen Tipps beinhalten und startet eine nette Kennenlernrunde.
Sagte ich, wir seien „junge JournalistEN“? Nur zwei Herren beehren uns. Trotzdem heißen wir „junge JournalistEN“. Die „Standard“-Leitung schätzt prinzipiell keine geschlechtsneutrale Sprache.

Anschließend erklärt uns Lisa Nimmervoll, Leiterin des Innenpolitik-Ressorts, die Unterschiede zwischen einer Qualitätszeitung (der „Kronen Zeitung“) und einem Boulevardblatt – eben dem „Standard“. Oder, halt: War es nicht umgekehrt?! ;-)

Dann erzählt Bettina Reicher, wie der Alltag einer Journalistin/eines Journalisten aussieht. Klingt nicht so schlecht: Vor zehn Uhr sei nichts los, sagt sie, um zehn Uhr sei dann die erste Konferenz, in der die Themen besprochen werden. Danach reite man aus zu Pressekonferenzen. Stressig, wirklich stressig, werde es erst zwischen Mittag und zwei oder drei Uhr: In dieser Zeit müssen alle Artikel geschrieben werden. Um halb drei überlegen sich die Chefs vom Dienst in einer neuerlichen Konferenz, was auf die Seite 1 kommt. Um fünf Uhr nachmittags muss die Zeitung fertig sein. Die meisten dürfen dann nachhause gehen.
Pro Ressort (z.B. Innenpolitik, Wirtschaft, Kultur,...) hat jedoch eineR Spätdienst:
Falls etwas Wichtiges in den Abendstunden passiert, kann es sein, dass die Zeitung (v.a. die ersten Seiten) „mutiert“, also geändert werden. Viele bedeutende Menschen sterben am frühen Abend, sagt Bettina.
Keine Sorge, wozu gibt es den Spätdienst! Gar nicht so selten muss dann jemand um zehn Uhr abends einen Nachruf schreiben...

Gegen 11:45 Uhr bekommen wir in einer schnellen Hausführung noch Teile der verwinkelten „Standard“-Redaktion zu sehen. Wie im Film sieht’s da zwar nicht aus, aber ungemütlich wirkt es auch nicht. So viele Computer... Moderne Zeiten, in denen wir leben!

12:40 Uhr, nach dem Mittagessen (Pizzaservice): Jetzt geht’s los! Wir teilen uns in vier Gruppen ein. Die Aufgabe meine Gruppe ist es, ein Telefoninterview mit dem österreichischen PISA-Manager Günter Haider zu führen und ihn zu fragen, ob er mit den bisherigen Reformen von Ministerin Gehrer zufrieden ist. Dann sollen wir uns überlegen, ob wir noch (ExpertInnen-)Meinungen einholen wollen und zum Schluss das Ganze zu einem Beitrag für den „SchülerStandard“ machen, wie alle anderen Gruppen auch. Zum Glück haben wir dazu Dienstag und Mittwoch Zeit!
(Besagter „SchülerStandard“ erschien übrigens am Dienstag, den 12. Juli 2005)

Wir recherchieren über PISA und die österreichischen Schulreformen, überlegen uns Fragen und telefonieren schließlich eine dreiviertel Stunde mit Herrn Haider nach Salzburg. Dann beginnen wir, das aufgenommene Telefongespräch abzutippen und beschließen, dass wir außerdem noch je eineN VertreterIn von SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen zum Thema „herkömmliche Noten abschaffen?“ befragen wollen.

17:30 Uhr – schon so spät! Erst jetzt merke ich, wie müde ich bin. Schließlich bin ich zu einer Un-Uhrzeit aufgestanden... Hat Spaß gemacht, auch wenn es, sogar ohne enormen Zeitdruck, stressig war. Auch ist es gar nicht so leicht, im (Dreier-)Team zu arbeiten, wenn man es nicht gewöhnt ist, weil in der Schule lieber „klassischer“ Frontalunterricht praktiziert wird...

Mittwoch, 6. Juli 2005, 9 Uhr – Mein Wecker scheint in Drachenblut gebadet zu haben: Mein Blick und meine Mordgedanken konnten ihn abermals nicht aus dem Piepsen bringen. Trotzdem stehe ich auf: Was mich erwartet, ist um einiges interessanter und lustiger als Schule!
Kaum im Palais Trauttmansdorf angekommen, arbeiten wir schon ohne große Begrüßung gleich heftig weiter: Auch für uns gibt es einen Redaktionsschluss!

Begeistert bin ich vom Intranet, mittels dem ich auf ein gigantisches Redaktions-, Agentur- und Bildarchiv zugreifen kann. So kann ich zum Beispiel im Redaktionsarchiv nachprüfen, ob der „Standard“ in den letzten Monaten schon ein Interview mit Günter Haider gebracht hat. Hat er nicht. Darum tippen wir munter weiter vom Tonband ab. Im Bildarchiv suchen wir ein Bild von ihm, nachdem wir ja keine Gelegenheit hatten, ihn „in reality“ zu sehen und zu fotografieren. Und im Agenturarchiv durchstöbere ich die aktuelleren APA-Meldungen nach dem genauen Stand der Reformen: Welches Schulpaket wurde wann beschlossen und tritt wann in Kraft?

Um etwa 12 Uhr erstellt der Layouter unser Layout:
Jetzt wissen wir genau, wie viel Platz jeder Artikel in Anspruch nehmen darf, wo er auf der Seite platziert wird und wo das Foto. Der Platzbedarf wird in Zeilen gemessen: Für unser Interview haben wir eine bestimmte Anzahl zur Verfügung – und es geht uns wie allen JournalistInnen: „Viiiiel zu viiiiel!“ Deshalb müssen wir kürzen – ganz schön mühsam: Mit dem speziellen Schreibprogramm kämpfen wir um jedes Wort.

13 Uhr – Nach einer halben Stunde Mittagspause (chinesisch) arbeiten wir mit voller Motivation weiter. Nach und nach erreichen wir telefonisch alle Menschen, deren Meinung uns interessiert. (Wer das ist? Lasst euch überraschen!)

Wir tippen, kürzen, korrigieren – und überlegen uns eine Titelzeile und einen „Vorspann“. Diese beiden Textelemente sind, laut Bettina Reicher, das wichtigste am ganzen Artikel. Sind sie gut gelungen, „ziehen“ sie die/den LeserIn „hinein“. Ob uns das gelungen ist? Wir haben auf jeden Fall lange daran herumgebastelt!

17:45 Uhr: Wir sind AnfängerInnen – wir müssen nicht pünktlich fertig sein! Jetzt erst sind alle mit ihren Artikeln zufrieden und unsere Seite wird für uns ausgedruckt. Nicht nur ich bin begeistert: Bettina Reicher und Lisa Nimmervoll, die „Blattkritik“ übt und nichts zu kritisieren findet, loben uns.
Wir bekommen jede/r eine Urkunde für unsere Teilnahme und einen „Standard“-Collegeblock („Freiraum für eigene Gedanken“).
Wer jetzt noch JournalistIn werden will, fragen die beiden. Ich zeige ohne Zögern auf.

Besagter „Schülerstandard“ erschien am Dienstag, den 12. Juli 2005
(auch online unter derstandard.at/?id=2110699 abrufbar).

Ferienseminare „Junge Journalisten – Schüler machen Zeitung“
finden mehrmals in den Sommerferien und auch in den Semesterferien (?) statt und kosten inkl. Mwst. 144 Euro (Dokumentation und Essen&Trinken sind inkludiert).

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