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"Heul doch!"

"Der Tag beginnt mit Aspirin, mit Atemgold und Lüftungszwang. Haltung bewahren, Position einnehmen."

Sie ist jung, geht zur Schule und auf Partys. Sie lernt, verliebt sich und streitet mit ihren Eltern. Sie singt beim Autofahren, malt expressionistische Bilder und bereitet sich auf die Universität vor.

Ihre Eltern sind Alkoholiker, sie wird von ihrem Vater sexuell missbraucht und hat seit einem Unfall ein Glasauge. Sie ist eine brave Schülerin, sogar das "liebste Mädchen der Welt", raucht nicht, selbst wenn ihr der Lehrer eine Zigarette anbietet, trinkt nicht und ist in ihren Religionslehrer verliebt.
"Was nun? Die Zeitung! Vater den Sportteil, Mutter die Sensationen, Oma das Lokale. Feuilleton fällt unter den Tisch, ich hinterher. Alles in Rekordzeit." Sie steckt sich auf der Schultoilette den Finger in den Hals, fährt mit überhöhter Geschwindigkeit auf der Gegenfahrbahn und will eigentlich nur wahrgenommen werden.

"Vater hört nicht auf zu nörgeln. Mutter hört nicht auf, sich zu entschuldigen. Oma hört nicht auf zu sterben. Ich fange gar nicht an."

In Heul doch! beschreibt Melanie Arns die verzweifelten Hilfeschreie einer von ihrer Umwelt und ihrem Leben ruinierten Person, die stets in monotoner Gleichgültigkeit münden. Eine Person, der schließlich nichts anderes mehr übrig bleibt, als sich über ihr Dasein samt ihrer unfassbaren Verkommenheit lustig zu machen und ihr Drama als Satire neu inszeniert.

"Heul doch!" von Melanie Arns,
erschienen bei Jung und Jung, 2004, 16 €

Diesen Artikel hat uns "Mouche" zur Verfügung gestellt - Danke!

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